Von Annahmen…

Zunächst die Realität: Die Stelle, die ich in unserer kleinen Stadt seit 9 Jahren innehabe, ist die einer „schulbibliothekarischen Servicekraft“, das heißt, meine Arbeitszeit teilt sich auf die weiterführenden Schulen in städtischer Hand auf, die alle schöne Schülerbüchereien, Selbstlernzentren oder Mediotheken besitzen. Wenn ich dort eine Veranstaltung, z. B. eine Klassenführung, durchführe, einen Vorlesewettbewerb oder eine Autorenbegegnung planerisch mitgestalte, so geschieht die Terminfindung im persönlichen Gespräch und mit Blick auf den Klausurenplan, den Einsatzplan der betroffenen Lehrer, gegebenenfalls den Raumplan und natürlich den generellen Terminkalender der jeweiligen Schule. Die etwa 20 ehrenamtlichen „Büchereimütter“, die ich betreue, lade ich ausnahmslos persönlich per Email oder Telefon zu Veranstaltungen ein, soviel Zeit muss sein, das bin ich unseren wertvollen Helfern allemal schuldig.

Wie dann die Veranstaltung bei den jugendlichen Teilnehmern ankommt, sehe ich an ihren Gesichtern und den Äußerungen dazu – das Publikum ist meist recht lautstark und weiß, was ihm gefällt und was nicht. Die Evaluation ist so ziemlich einfach. Zu einem abschließenden Bericht über die Veranstaltung, seiner Veröffentlichung auf der Homepage der jeweiligen Schule oder in der Presse gehören natürlich auch Bilder. Hier greift die restriktive Politik der Schule, die bereits bei der Einschulung von allen Schülern und deren Eltern erfragt, ob Fotos, auf denen das Kind im Speziellen zu sehen ist, veröffentlicht werden dürfen und wenn ja, ob mit Namensnennung oder nicht. Die Fotos machen befugte Personen meist mit den schuleigenen Kameras, vor der Veröffentlichung werden die Bilder von der Schulleitung überprüft.

Und nun die Hypothese: Nehmen wir an, ich müsste eine Veranstaltung, in diesem Fall (typisch westfälisch) ein Kaffeetrinken, planen, zu der ich viele verschiedene Personen einladen und dazu terminlich unter einen Hut bringen müsste, so könnte ich dies selbstverständlich mittels eines Dienstes wie Doodle tun oder auch den terminplaner.nrw benutzen. Angenommen, es wurde ein gemeinsamer Termin ermittelt und eine Veranstaltung durchgeführt, zu der viele Menschen gekommen sind, wäre es sicher hilfreich, herauszufinden, wie die Veranstaltung aufgenommen wurde. Ich könnte an den Ausgängen Helfer mit Fragebögen postieren und direkt die Meinung der Teilnehmer erfragen,

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ich könnte aber auch beispielsweise sli.do verwenden, um ein Feedback zur Veranstaltung zu erhalten, was aber seitens des Publikums den Willen zum Tätigwerden und ein Smartphone erfordert, um mittels eines Codes (hier #R971) an der Umfrage teilzunehmen. Nehmen wir weiterhin an, wir möchten einen Beitrag über die Veranstaltung, ob im Vorfeld oder im Nachgang, veröffentlichen, auf der Homepage, bei Facebook oder in der Presse, so sollten wir nur eigene Fotos verwenden und hierbei die Rechte der Fotografierten an ihrem Bild schützen. Angenommen, wir wollen „fremde“

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CC-BY-SA by Fachstelle für öffentliche Bibliotheken

Bilder verwenden, so würde es sich lohnen, sich vorher mit der Frage des Bild- und Fotorechts auseinandergesetzt zu haben und entweder Bilder mit einer CC-Lizenz  zu verwenden oder den Rechteinhaber zuvor um seine Einwilligung in die Nutzung zu bitten und es dann unter Angabe des Lizenzinhabers zu veröffentlichen.

Da dies alles sehr nützliche Dienste sind und ich wertvolles Wissen über Bildrechte erworben habe, nehme ich an, dass ich mir merken sollte, wo ich all das nachlesen kann, falls ich einmal in die Verlegenheit komme, eine Veranstaltung zu planen, zu bewerben und zu evaluieren. Getreu meinem Motto: „Man muss nur wissen, wo es steht…“.

 

 

 

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Vom Vergessen

Anfang November 17 – Vergessen, Beitrag zu Twitter zu schreiben. (War das Absicht? Einen Account angelegt habe ich…)

twitterperlen_flakestweets-612x612Mitte Februar 18 – Nicht schlimm, schreibe jetzt Beitrag zu Twitterwalls. Hmmm, vergessen… (Das war jetzt aber bestimmt keine Absicht!??)

20,5 Millionen Deutsche loggen sich wöchentlich bei Facebook ein, 5,6 Millionen bei Instagram, es gibt aber nur 1,8 Million wöchentlich aktive Twitter-Nutzer, die auch noch meistens in Großstädten leben. Wen also erreichen Tweets der Stadtbücherei? Kommunikation mit den Lesern via Twitter kann man hier auf dem Land vergessen.

Twitter ist eine Plattform, die zutiefst unübersichtlich ist und voller völlig belanglosem Quatsch. Gut, hinsichtlich der Deklaration als Quatsch schließe ich vielleicht die Tweets des Dalai Lama und von Papst Franziskus aus, aber der Rest ist dafür umso schlimmer und die hasserfüllten widerlichen Botschaften von rechtsaußen brauche ich genauso wenig wie die Absonderungen von Fußballern. Einfach zum Vergessen!

Eine Twitterwall habe ich zuerst bei Eins plus gesehen, die Vorrunde des ESC (übersetzt für Noobs „Eurovision Song Contest“) 2014 lief mit einer gleichzeitigen Einblendung der Tweets zu #eurovision2014 , #esc2014 , #daserste , #einsplus . Twitesc Eine sehr ärgerliche Angelegenheit, die zur vorzeitigen Beendigung des ESC-Abends bei uns führte, da die Hälfte des Bildschirms von der Twitterwall eingenommen wurde und man dadurch sehr abgelenkt war. Furchtbar. Diese Entgleisung des öffentlich rechtlichen Fernsehens hatte ich schon ganz vergessen, bis hier das Thema Twitterwall gefordert wurde. Gut, bei  größeren bis großen Veranstaltungen mit vielen Teilnehmern und Interessierten außerhalb wie z. B. bei Kongressen, Barcamps oder Diskussionsrunden, kann ich mir vorstellen, dass es eine recht spannende Ergänzung sein kann, wenn man über andere Workshops etc. informiert wird oder sich von zu Hause einbringen kann.

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Hier eine Twitwall zu einem aktuellen Thema: Olympische Winterspiele in Pyeongchang 2018! Das ist ein Großereignis, über das man twittern kann und das man so schnell nicht vergessen wird!

 

 

Vom Wissen und seiner Bewahrung

Wir in den Bibliotheken haben uns nicht zuletzt der Bewahrung von Wissen verschrieben. Seitdem der Mensch des Schreibens mächtig war, hat er das, was er gelernt hat, aufgeschrieben, um es zu bewahren und weiterzugeben. Auf Stein, Leder, Papyrus oder Papier. Die bekannteste Form der Wissensbewahrung war in den letzten Jahrhunderten das Lexikon. Lexika standen in allen Bibliotheken, ob in privater Hand oder allen Wissensuchenden öffentlich zugänglich. Nun ist ihre Zeit abgelaufen, die dicken Wälzer verschwinden aus den Regalen, photo_2018-02-18_22-56-21Wissen wird digital bewahrt und ist für jedermann im Netz schnell abrufbar, ohne dafür das Haus oder auch nur den Schreibtisch verlassen zu müssen. Im Internet stehen uns die alt bewährten Lexikonreihen wie der Brockhaus, dessen letzte gedruckte Ausgabe aus den Jahren 2013/2014 stammt, jetzt online zur Verfügung, von Expertenredaktionen überprüft und zitierfähig, doch letztendlich auch gebührenpflichtig, schwerfällig und sperrig. Leichtfüßiger kommen inzwischen die Wikis daher, die sich verändern, wachsen und durch die vielen Verlinkungen große Mengen an Informationen zusätzlich zu den schlichten Suchergebnissen bieten. Die dargebotenen Informationen mögen nicht alle richtig sein, manche vielleicht vorsätzlich falsch oder auch nur einfache Vermutungen, aber war es nicht schon immer so, dass das aufgeschrieben und bewahrt wurde, was der Autor für richtig und wahr hielt oder was zur Zeit des Aufschreibens die Wissenschaft, ja sogar die ganze Welt für richtig und wahr hielt, auch wenn wir heute sagen: „Was für ein Humbug?“

Dass es nicht mehr nur Gelehrte und Fachredaktionen sind, die das, was gewusst und für andere zugänglich gemacht werden soll, niederschreiben, sondern dass jedermann die Möglichkeit hat, seine Kenntnisse einzubringen und an den Onlinelexika mitzuwirken, macht für viele die Unberechenbarkeit und Unsicherheit der Wikis aus. Allerdings hat auch jedermann die Gelegenheit, auf Fehler hinzuweisen und korrigierend einzugreifen. So wachsen und verändern sich die Wikis täglich, werden besser und immer sicherer. Zudem gibt es Wikis nicht nur für allgemeinbildendes Wissen und öffentliche Nutzung, sondern auch Firmen, Interessengruppen oder Fans können sich eigene Nachschlagewerke für das benötigte Fachwissen bauen. Mein Streifzug durch die Wiki-Welt führte zu der Erkenntnis, dass die unterschiedlichen Plattformen, auf denen die Wikis gebaut wurden, sehr unterschiedlich in Ansicht, Nutzbarkeit und Struktur sind. So erscheint mir das Übungswiki auf PBWorks sehr unübersichtlich aufgebaut zu sein, es fehlt ihm aber natürlich auch Thema und Inhalt. Das Wichtigste ist jedoch für jedes Wiki, dass es lebt, d. h., dass es neben der reinen Nutzung zur Beschaffung von Wissen ständig ergänzt, korrigiert, ergänzt, korrigiert und wieder ergänzt und korrigiert wird.

Neben dem omnipräsenten Vorreiter in Sachen Wissen 2.0, Wikipedia , wikipedia-logo kann man bei wikiHow nachlesen, wie man irgendwelche Dinge des täglichen Lebens macht, findet Hilfe als  (werdende) Mutter bei Mamiwiki , Kochtipps im Koch-Wiki oder Handarbeits- und Bastelanleitungen im Handarbeits- und Bastelwiki . Hobby- und Freizeitaktivitäten finden sich beispielsweise im Yoga Wiki oder Zigarrenwiki wieder. Spannend ist das riesige Projekt der Health Library in den USA und Kanada,  für Reisen interessant sind Wikitravel Wikivoyage oder auch spezielle Wikis von Städten oder Regionen wie das Salzburg Wiki . Weltanschauungen ( Freimaurerwiki ) haben ebenso ihr Wiki wie Berufsgruppen (  Jurawiki ), Informatiker können z. B. im Python Wiki nachschlagen. Auch Spieler machen ihr Wissen anderen Spielern zugänglich, sei es im Table Top Wiki für Brettspiele oder in den verschiedensten Wikis für Online-Spiele: Gamer können wichtige Einzelheiten nachlesen über World of Warcraft oder Die Siedler Online , Freunde der Elder Scrolls Reihe haben mit dem Tamriel-Almanach oder dem The Elderscrolls Online (TESO) Wiki gleich mehrere Wikis zur Auswahl, für mich persönlich ist das Herr der Ringe Online – Wiki  nützlich, das Witcher Wiki brauchte ich, als ich mich durch die Welt des Geralt von Riva geschlagen habe. Das beste und vorbildlichste Wiki überhaupt ist jedoch das Minecraft Wiki . Hier findet man wirklich alles, was dem Spieler in der Welt der Klötzchen weiterhilft, es ist aber auch ein Beispiel dafür, wie ein erstklassiges Wiki funktioniert. Auch Pen&Paper Rollenspieler haben ihr Wissen in diversen Wikis niedergelegt, „Das Schwarze Auge“ beispielsweise im Aventurica Wiki und DSA Regel Wiki .

Fazit 1 … Was schon während meines Studiums galt, ist auch heute noch wahr: „Man muss nicht alles wissen, man muss nur wissen, wo es steht.“ …

Fazit 2 … Gott bewahre uns vor einem Stromausfall …

Von Wolken

Wolken verhüllen unseren Himmel, sie bedrohen uns mit Regen und Sturm, lassen uns keine Sonne sehen. Nur in wenigen Stunden konnten seit November Sonnenstrahlen die dicken Wolkengebirge durchdringen. Mit dem trübgrauen Licht werden auch unsere Gedanken immer trübsinniger, die gute Laune verblasst ins Schaudergrau, noch nicht einmal unsere Hunde wollen mehr herumflitzen, ihre Akkus sind leer,  Galgos laufen nun mal mit Sonnenenergie. Auch die Solarmodule auf den Dächern liefern immer weniger Strom, wegen der bleigrauen Wolken ist keine Sonne da, deren Licht sie in elektrische Energie umwandeln könnten.

Genau der richtige Zeitpunkt, um sich mit der energieintensivsten Art der Speicherung von Daten zu beschäftigen, der Cloud… Die riesigen Serverfarmen, die für die vielen Cloud-Anbieter die Daten speichern, verbrauchen nämlich Energie, mehr Energie als Deutschland. Laut einer Greenpeace-Studie verbrauchte das Cloudcomputing  nämlich  bereits im Jahr 2012 unglaubliche 623.000.000.000 KWh pro Jahr, die Summe aller Cloud-Rechenzentren käme weltweit auf Platz 5 der Länder mit dem höchsten Energieverbrauch, hinter den USA, China, Russland und Japan, aber vor Indien und Deutschland.

Cloud-Computing (1)

Und Wolken sind auch nicht sicher, es gibt nicht nur gut behütete Schäfchenwolken (z.B. Private Clouds), sondern auch wilde, unberechenbare Riesenwolken, sozusagen public clouds, in deren Innern nicht nur gute Hirten, sondern auch böse Räuber hausen, die das zu beschützende Innere nach außen stülpen.

Wolke

 

Bei allen Bedenken, die wir haben, wenn wir die Wolken am Himmel sehen, ohne sie kommen wir nicht aus, weder im real life draußen in der Natur, als auch im digitalen Leben, da an vielen Stellen unsere Daten in der Cloud landen, auch, wenn wir sie nicht aktiv dorthin verschieben. Wie kommt es, dass wir unsere Emaildaten von jedem Gerät abrufen können? Cloud. Wo landet das Video, das wir bei You Tube hochladen? In der Cloud. Wo ist die schöne Infografik gespeichert, die wir uns bei Flickr ansehen? In der Cloud. Wir kaufen uns ein neues Smartphone, was erwerben wir gleich zusammen mit dem Betriebssystem? Die Android-, iOS-, Windows-Cloud. Was ist das Fazit? Auch wenn wir die Wolken nicht mögen, ohne sie geht es nicht, wir müssen sie nur im Auge behalten und aufpassen, dass uns nicht eines Tages der Blitz erschlägt.

Übrigens ein kleines Paradoxon zum Schluss: Den Beitrag „Mein Büro im Netz“ habe ich aus der Dropbox heruntergeladen – und gespeichert auf One Drive BamBamBaaammmm…

Von zwei Leben

Endlich komme ich dazu, die Geschichte unserer Windhunde zu erzählen, die schon einige Male in diesem Blog eine Rolle gespielt haben, ich erinnere an Von Hypochondern… , Von Hundemänteln oder Windhundwinter .

Ein Artikel in unserer Tageszeitung über das zweite Leben von Greyhounds, die in Irland als nicht mehr gut genug für die Hunderennbahn ausgemustert wurden, führte dazu, dass ich mich mit Windhunden, speziell mit Greyhounds, zu beschäftigen begann. Die Hunde wurden in dem Bericht als ruhige, liebevolle Hausgenossen geschildert, die, was ihre Bewegungsbedürfnisse angehe, sich nicht so sehr von ihren weniger windigen Artgenossen unterschieden, freundlich, verträglich und gerne zu mehreren zu halten seien, gemäß dem irischen Bonmot „If you can see the floor, there’s room for one more.“ Leider stellte sich bei meinen Recherchen heraus, dass fast alle Greyhounds nicht mit Katzen zu vergesellschaften sind. Dies führte dazu, dass der spanische Vorfahr der Greyhounds, der Galgo espanol, mehr und mehr in den Fokus rückte. Die Galgos  teilen mit den Greyhounds das grausame Schicksal, einer erbarmungslosen Selektion durch den Menschen ausgeliefert zu sein.

Von den Menschen gezüchtet, um zu rennen und zu jagen, werden sie ohne jede Gnade aussortiert, wenn sie diesen Zweck nicht mehr vollständig erfüllen können. Die oft als so tierlieb bezeichneten Iren misshandeln und töten ihre Hunde genauso brutal und unnachsichtig wie die Spanier, deren gespaltenes Verhältnis zu Tieren, deren Empfinden und Bedürfnissen, weitaus bekannter ist.

Um auf das Schicksal der Galgos aufmerksam zu machen, habe ich mit dem Tool Shorthand Social einen Beitrag verfasst, den ich unter dem Titel El Dia del Galgo zum Weltgalgotag am 01.Februar veröffentlicht habe.

Die Entscheidung für einen Galgo fiel uns umso leichter, als viele Tierschutzorganisationen eine hervorragende  Öffentlichkeitsarbeit betreiben, in den sozialen Medien sehr engagiert vernetzt sind und gute, aktuelle Homepages betreiben. Dort werden die Hunde in der Vermittlung ausführlich präsentiert, ihre Geschichte unausgeschmückt erzählt und ihre Eigenschaften genau geschildert. Besonders aktiv sind hier der TSV Galgo Friends e. V. , Far From Fear , die Galgo-Hilfe , die Greyhoundhilfe oder zum Beispiel Galgos-in-Not . Alle Hunde, die über diese Tierschutzorganisationen aus Spanien nach Deutschland kommen, haben einen Katzentest durchlaufen, sind auf Mittelmeerkrankheiten getestet, gechipt, geimpft und kastriert.

So nahm ich im Frühsommer Kontakt mit Far From Fear  auf und schon kurz darauf fuhren wir in die Eifel, um uns auf einer Pflegestelle einen 5 Jahre alten Rüden namens Caramelo anzusehen. Er war im Dezember von seinem Besitzer in einem privaten Tierheim abgegeben worden, das mit FFF zusammen arbeitet, ein freundlicher, unkomplizierter Hund, der durch sein offenes Wesen sofort unser aller Herz gewann – sein Herz jedoch gehört ganz und gar unserer Tochter. Nachdem die Formalitäten geklärt waren, ein Zaun um das Grundstück gezogen und die nötigen Utensilien – Sicherheitsgeschirr, Leinen, Autoanschnallgurt, Kringel, Kissen, Futter etc. besorgt waren, holten wir an einem furchtbar heißen Sonntag im Juni Caramelo ab.

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Caramelo stammt aus der Gegend von Malaga. Er hat sein erstes Leben in Hügeln und Wäldern verbracht, er hat gejagt, das sieht man ihm an, und zwar nicht nur Hasen, sondern auch Rehe, was am Fuß der Sierra nicht ungewöhnlich ist, er liebt den Geruch von Orangen, Zitronen, Olivenöl, Knoblauch und Paprika, wenn ein Messer mit dem Wetzstahl geschärft wird, steht er sofort an der Küchentür, er kannte das Leben im Haus, kleine Kinder und Katzen und hatte durchaus eine gute Erziehung genossen.  Wie wir erfuhren, hatte er wohl auch gedeckt, er muss also ein „guter“ Galgo gewesen sein, was ihn nicht davor bewahrte, abgeschoben zu werden, ihm aber ein schlimmeres Schicksal ersparte.  Im Gegensatz zu vielen, vielen anderen Galgos war er nicht traumatisiert, eine Abneigung gegen große Männer, vor allem, wenn sie schwarze Lederjacken trugen und rauchten, war offensichtlich, aber nachzuvollziehen. Er ist ein überaus intelligenter Hund, liebebedürftig, charmant, frech wie Oskar und süß wie …Karamell. Nach einem Vierteljahr bei uns hatte sich Caramelo gut eingelebt, es fehlte ihm aber offensichtlich die Hundegesellschaft, so dass wir eine Hündin zur Gesellschaft für ihn suchten und fanden, ebenfalls über Far From Fear.

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Tatsächlich macht es keinen Unterschied, ob man einen oder zwei Galgos hat, sofern man ausreichend Sofaplätze zur Verfügung hat, es ist eher einfacher, mehrere zu halten, weil die Hunde sehr gesellig sind, adäquate Spiel- und Rennpartner brauchen und man sie beispielsweise besser einmal allein lassen kann, wenn sie zu zweit oder zu dritt sind. Auch können sich unsichere Hunde an einem gelassenen Hundefreund orientieren und von ihm lernen. Dies war bei Lady Gua Gua der Fall. Die Dame, etwa drei bis vier Jahre alt, war in der Gegend von Madrid auf dem platten Land zusammen mit einem kleinen Mischlingshund streunend aufgegriffen worden. Offenbar war sie alleine, ohne Gesellschaft gehalten worden und war auch nicht zur Jagd, sondern für Rennen trainiert worden. Unsere Gu kannte im Gegensatz zu Caramelo gar nichts, keine Bäume, keine Hügel, keine Wasserflächen, sie war im Tierheim stark abgemagert, weil sie nur sehr wählerisch und langsam frisst, ein Zeichen für Einzelhaltung, auch knabbert sie stundenlang an Knochen oder Holz herum und kann sich gut alleine beschäftigen und alleine spielen. Spaziergänge mit ihr sind manchmal ein bisschen mühsam, weite Flächen faszinieren sie, minutenlang bleibt sie stehen und starrt in die Ferne. Angst kennt Gu eigentlich nicht, leider hat sie in ihrem ersten Leben aber auch nichts gelernt, sie brauchte sehr lange, bis sie zu uns eine Beziehung aufbaute, bis heute hat sie keinen Appell und alles Neue muss man ihr recht mühsam erklären. Doch Schritt für Schritt geht es vorwärts mit unserer Lady, Caramelo passt auf sie auf, er gleicht ihren Mangel an Temperament aus und im Gegenzug dämpft sie etwas seinen Überschwang, kurz gesagt, sie ergänzen sich bestens. Mit unseren Katzen gab und gibt es keinerlei Probleme, im Gegenteil, vor allem Gua liebt die Katertiere, gibt Laut, wenn sie herein gelassen werden wollen, kuschelt und spielt mit ihnen.

Was Caramelo und Lady Gua Gua in ihrem ersten Leben auch immer widerfahren sein mag, es liegt hinter ihnen. Das zweite Leben der beiden dreht sich um Spaziergänge, Streicheleinheiten, Spiele, Futter, Stofftiere, Quietscher, Leckerli, Sausen, Kuschelzeit mit ihren Menschen und weiche Sofas – in welcher Reihenfolge auch immer.  Wir genießen ihre Wärme, ihre Anschmiegsamkeit und unvoreingenommene Zuwendung, bewundern ihre Schönheit, Eleganz und Schnelligkeit. Das Leben ist einfach besser mit Galgos!

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Vom Schaukeln

Das Erstellen von Präsentationen jeglicher Art liegt bei mir eine Weile zurück, es müsste während meines Studiums gewesen sein, wenn ich nachrechne so vor etwa 35 Jahren. Damals hatten mein Mann und ich eine „intelligente“ Schreibmaschine mit kleinem Display, etwas später kauften wir unseren ersten Computer, einen Apple II plus, der zum Schreiben der Dissertation meines Göttergatten seinen ersten großen Auftritt hatte. Power Point erschien zwar erstmals 1987 für den Macintosh, doch schon bald darauf erwarb Microsoft den Entwickler und damit auch die Rechte an dem Programm. Seither ist Power Point ein Windows Feature und gehört zum großen Spektrum der in Microsoft Office enthaltenen Programme, ebenso wie das neue Sway. Power Point Präsentationen gehören zum Alltag von Schülern, Studenten und Vortragenden jeder Berufsgruppe – Hausfrauen, Mütter und Züchter von Galopprennpferden gehören allerdings nicht dazu, auch meine Welt der Schülerbüchereien war bisher erstaunlicherweise frei von der Notwendigkeit einer computergestützten Präsentation. Ich habe folglich noch nie eine Präsentation  mit Power Point oder sonst einem Programm erstellt…

Power Point werde ich dann einfach überspringen und sofort mit dem erst zwei Jahre alten Sway beginnen. Da Microsoft Office auf meinem Rechner vorinstalliert war, habe ich das Programm dort auch schon gesehen, aber geflissentlich ignoriert („to sway“ war mir bisher nur vom Tanzen her ein Begriff). Nun werde ich mich ein wenig damit beschäftigen, anmelden muss ich mich ja nicht, also mal sehen, was dabei herauskommt. Let’s sway!

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Nirgendwo empfindet  man den „Sway“ so schön wie auf den Pferd. Der Galopp ist die schönste und (nicht nur) für den Reiter angenehmste Art der Fortbewegung. Vom angenehm wiegenden Schaukeln…
Zu diesem Sway wechseln

Vom Krank sein…

Krank sein ist immer doof. Krank sein, wenn Ferien sind und die Weihnachtsfeiertage ins Haus stehen, ist besonders doof. Krank sein, wenn man Gäste eingeladen hat, Kinder und Enkel kommen und „Frohes Fest“ auf dem Programm steht, ist ganz, ganz besonders doof. Nichts macht Spaß, das Essen schmeckt nicht, der Wein ist bitter, die Filme sind zu laut, beim Lesen brennen die Augen und fallen zu… Auch die Kolleginnen in der Stadtbücherei muss man zwischen den Jahren hängen lassen und sich krank melden. Und wenn man sich dann erholt hat, wieder riechen, schmecken, denken kann, Gäste eingeladen hat, Silvester und Neujahr ins Haus stehen, ist der Göttergatte krank. Richtig krank, so krank, wie nur Männer sein können. Also Gäste wieder ausgeladen, und auf das „Gute Neue Jahr“ nur mit dem halblebigen Göttergatten angestoßen. Die Wünsche fokussieren sich auf „Gesundheit“, denn Gesundheit ist zwar nicht alles, aber ohne Gesundheit ist nun einmal Alles Nichts…

Das Neue Jahr zeigt dann, das nicht nur die Menschen wenig gut drauf sind, auch der zuverlässige, leistungsstarke PC schwächelt irgendwie. Vor den Feiertagen hatte uns die Dauerbaustelle an der Straße um die Ecke immer wieder Ausfälle von Telefonie und Internet beschert, jetzt wird dort aber gar nicht gebaggert und gerüttelt. War es vielleicht der Jahreswechsel, der die Programme durcheinander gebracht hat?

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Hat das Virenschutzprogramm die Software zerschossen? Sind irgendwelche Updates schuld daran, dass einiges anders ist als vor den Weihnachtsfeiertagen? Ja, tatsächlich – vor den Weihnachtsfeiertagen! Denn so lange hatte mein Raubtier auf dem Schreibtisch krankheits- und festbedingt Ruhe. Als Erstes stelle ich fest, dass alle auf Feedly gespeicherten Feeds weg sind. Hmm, blöd, aber war da nicht eine Änderung angekündigt gewesen? Oder hat der Cleaner zu gut geputzt und auch das Feedly-Konto gereinigt? Als Nächstes kommt es richtig dicke. Bei Keeeb kann ich mich gar nicht mehr anmelden. Bei jedem Versuch lande ich nur wieder in der Anmeldemaske. Mist. Eigentlich fand ich Keeeb ganz gut, eine schöne, ordentliche persönliche Sammelkiste, in der ich in der letzten Woche vor den Ferien schon ein paar nette Seiten und interessante Schnipsel über meine ehemalige Profession, die Zucht von Galopprennpferden, gesammelt hatte. Der Start mit dem neuen, mir vorher absolut unbekannten Dienst hatte nämlich gut geklappt, die Anmeldung und Erweiterung des Browsers um den Keeeb Button war recht einfach gewesen – und nun das!

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Tief durchatmen, den knurrenden schwarzen Kasten runter fahren und ins Bett gehen mit dem Gedanken  „Wenn das Raubtier am Montag immer noch die Zusammenarbeit verweigert, kratzt und beißt, dann muss professionelle Hilfe her. Ich kann jetzt nichts mehr machen.“

Heute Abend nun mit einem Glas Gemüsesaft und ein paar letzten Plätzchen an den Schreibtisch geschlichen. Vorsorglich den Router einmal neu gestartet, dann das Raubtier zum Leben erweckt. Vvvrrrauuuuu. Tätschel, tätschel.  Braver Rechner, schön, dass du wieder zufrieden schnurrst. Und tatsächlich, alles am Platz, auch die Anmeldung auf Keeeb möglich, nur die Inhalte des Feedly-Accounts bleiben verschollen. Puuh. Ein paar Stunden später widme ich mich ihm doch noch einmal und siehe da, selbst die abonnierten RSS-Feeds sind wieder da. Offensichtlich hatte das Raubtier nur eine vorübergehende Schwächephase – genau wie seine Herrin.

Ach, auch dem Göttergatten geht es wieder besser. Na ja, die Ferien sind jetzt ja auch vorbei…

Von Falschmeldungen

Mit Falschmeldungen hat der Mensch zu tun, seitdem er das erste Wort gesprochen hat, denn mit dem ersten Wort wurde auch die erste Lüge geboren.  Dass ein soziales Gefüge alleine auf Wahrhaftigkeit beruht, ist eine irrige Annahme, ebenso wie die Annahme, dass irgendjemand glaubt, es gebe keine Lüge auf Erden. Wo immer Menschen auf einander treffen, wird gelogen oder zumindest nicht die Wahrheit gesagt. Jeder beschönigt, vertuscht, verbirgt etwas, man schminkt sich, lächelt, verbiegt sich, um gemocht zu werden, um Vorteile zu erlangen, um die eigene Position zu verbessern. Meist geschieht dies instinktiv, als angeborener Reflex, damit das soziale Netz, die Gesellschaft funktioniert. Dadurch entsteht kein Schaden, niemand wird verletzt. Das ist erst dann der Fall, wenn gelogen wird, um anderen zu schaden, Falschmeldungen gestreut werden, um die eigene Stellung auf Kosten anderer zu auszubauen.

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Falschmeldungen haben aus diesem Grund eine Bedeutung für jeden Menschen und jeder Mensch lernt von klein auf, mit ihnen umzugehen, sie zu entlarven und den Lügner, der sie in die Welt gesetzt hat, bloß zu stellen. Technische Kunstgriffe und Kenntnisse der Werkzeuge, mit denen wir sie in den digitalen Welten enttarnen können, sind sicher ebenso nützlich wie eine Kelle und eine Wasserwaage beim Hausbau, doch wird das Gespür für die Wahrheit, für Wahrscheinliches und Unwahrscheinliches, für Lüge und Realität, für Geradlinigkeit und Schräglage, der gesunde Menschenverstand also, den Menschen auch in Zukunft immer helfen, die Lüge, die Fälschung, die Falschmeldung, die Unwahrheit zu entdecken.

Fake

Und ehe ich mich ereifere: Ja, ich habe die „tools“ ausprobiert, ja, ich kenne „fakes“ in „social media“, und ja, ich hoffe, mit allen Sinnen und meinem Verstand die Fakten zu „checken“, um  auch in Zukunft alle Falschmeldungen zu erkennen. Und nein, ich ergänze keine Sätze, darüber bin ich hinaus.

 

Vom Advent – Erwartung und Vorbereitung (2)

Im Advent wird bei uns gebacken. Eher traditionell, nach Großmutters Art, nicht unbedingt trendy und exotisch. Rezepte werden weitergegeben, jede Generation lässt vielleicht das eine oder andere außen vor und ergänzt durch neue Entdeckungen. Zimtsterne werden zum Beispiel durch Pezzetti di Nonno Pepe ersetzt, Makronen durch Haferflockenplätzchen. 20171211_211427Es gibt nur ein adventliches Backwerk, das unveränderlich jedes Jahr aufs Neue unseren Kaffeetisch in der Vorweihnachtszeit bereichert – der Dresdner Stollen. Bei meiner Oma, die die Entbehrungen zweier Weltkriege erlebt hat, eher etwas trocken und sparsam, bei meiner Mutter dagegen konsequent angebrannt (sie sagte immer, es würde an ihrem Herd liegen…). Da es kein überliefertes Familienrezept für den Christstollen gibt, habe ich mit dem Rezept aus meinem ersten Kochbuch begonnen, das hinsichtlich der Zutaten noch von völlig anderen Voraussetzungen ausging, vor ein paar Jahren das gleiche Rezept in modernerer Form entdeckt und beide sozusagen „zusammengeschmissen“.

20171210_171021Die Gewürze wie Muskatblüte und Kardamom lagern in einer fest verschlossenen Box, der Bestand wird jedes Jahr nach Bedarf aufgestockt, die Zutaten von Butter bis Rosine, von Mehl bis Mandelsplitter werden seit ein paar Jahren komplett in Bio-Qualität eingekauft, was man schon beim Auspacken merkt: das Zitronat und Orangeat duftet unglaublich nach Frucht und ist erheblich saftiger, als man es von konventioneller Ware kennt.

Vom Ansetzen des Vorteigs bis zum abschließenden großzügigen Bestreuen des mit zerlassener Butter eingepinselten noch heißen Stollens vergehen zwar gut und gerne vier bis fünf Stunden, doch was kann es Schöneres an einem verregneten oder verschneiten Adventssonntag geben, als geschmeidigen Hefeteig an den Händen zu spüren oder den Duft zu riechen, der von gemütlichen Winternachmittagen, Weihnachtsstimmung und Vorfreude kündet.

 

 

Vom Advent – Erwartung und Vorbereitung (1)

Wenn der Dezember und der Erste Advent näher rücken, ist es an der Zeit, Vorbereitungen zu treffen. Dazu gehört es natürlich, dass Plätzchen gebacken werden. Am meisten Spaß macht es natürlich, wenn man mit Kindern, am Besten den eigenen, die süßen, knusprigen Köstlichkeiten in den Ofen schiebt. Sind die eigenen Kinder schon zu groß, dürfen es auch die tatendurstigen Enkelinnen sein. Nachdem Lichterketten und leuchtende Sternenkugeln, Wichtel, Engelchen, Nikoläuse und Girlanden im und ums Haus verteilt wurden, geht es ans Teigkneten. Während der buttrige Mürbeteig im Kühlschrank ruht, werden Geschichten vorgelesen.

Gerade sind zwei Klassiker bei den Mädels hoch im Kurs: Pippi Langstrumpf und Paddington. Aus der Stadtbücherei haben wir uns noch das Grüffelokind und Mama Muh dazu geholt, genug Stoff, bis der Teig richtig kalt, die notwendigen Utensilien herbeigeholt und der Ofen vorgeheizt ist. Und dann geht’s los! Ein Drittel des Teigs ausgerollt, die Mädels in Startposition gebracht, Achtung, Fertig, Ausstechen! Da werden Sterne, Herzen, Glocken, Kreise und Hufeisen ausgestochen, Häschen, Eichhörnchen, Füchse, Elche, Mäuse, Kühe, Pferde, Hunde und Katzen, Einhörner und sogar Drachen, am Ende für die schmalen Randstücke bleiben noch die Fische. 20171129_17211820171129_172109Die Wunderwerke werden vorsichtig erst auf die Backbleche und dann in den Ofen befördert und rasch das zweite und dritte Drittel des Teigs ausgerollt. Als das letzte Fitzelchen Teig verarbeitet ist, sehen meine kleinen Bäckerinnen aus wie bunte Mehlwolken, die Küche ist ein Schlachtfeld, alle strahlen und die Plätzchen schmecken köstlich. Der Advent kann kommen!